München/Hof, 15. Oktober 2021

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ist in Bayern erneut gestiegen – auf das Rekordniveau von 90.000. „90.000 – was sich wie eine Erfolgsgeschichte liest, verdeckt dennoch einige beunruhigende Entwicklungen, die uns allen seit Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie noch deutlicher vor Augen geführt werden“, sagt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Vorfeld des 80. Bayerischen Ärztetags, der von 15. bis 17. Oktober 2021 in Hof stattfindet. Einer der kritischen Engpässe eines hochwertigen und belastbaren Gesundheitssystems sei qualifiziertes medizinisches Personal. Es müsse allerdings berücksichtigt wer-en, dass die zur Verfügung stehenden Arztstunden nicht in gleichem Umfang wie der Bedarf anstiegen, in naher Zukunft eine größere Zahl an Ärztinnen und Ärzten in den Ruhestand treten werde (Babyboomer) und mit der fortschreitenden Alterung und Morbidität der deutschen Gesellschaft große Belastungen des Gesundheitssystems drohten. „Das Wachstum kann den Trend zu Teilzeittätigkeit sowie die demografischen Herausforderungen nicht ausgleichen“, ist Bayerns Ärztechef überzeugt. Wichtig wäre vor allem die Schaffung von mehr Studienplätzen für Humanmedizin.

„Es ist erfreulich, dass immer mehr junge Menschen den Arztberuf ergreifen. Für eine gesicherte Patientenversorgung ist dieser Zuwachs jedoch immer noch zu gering“, so Quitterer. Von den 90.000 Ärzten sind zirka 33.200 im Krankenhaus tätig, 28.200 arbeiten im ambulanten Sektor und 5.700 bei Behörden oder üben eine andere ärztliche Tätigkeit aus. Etwa 22.900 sind nicht mehr ärztlich tätig. Die Ärztinnen haben in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Mittlerweile sind 47,3 Prozent der BLÄK-Mitglieder weiblich und 52,7 Prozent männlich. Den stärksten Zuwachs gab es bei den angestellten Ärztinnen im niedergelassenen Bereich: plus 51,7 Prozent im Vergleich zu März 2016. Mit Stand Oktober 2021 waren in Bayern 10.940 ausländische Ärztinnen und Ärzte gemeldet. Vorteilhaft wirke sich der deutliche Rückgang der ins Ausland abwandernden Ärztinnen und Ärzte aus. In den ersten sechs Monaten 2021 haben sich 196 Ärztinnen und Ärzte ins Ausland abgemeldet, im Vergleichszeitraum 2016 waren es noch 265. Auch aufgrund geografischer und kultureller Nähe sowie guten Arbeitsbedingungen seien die beliebtesten Auswanderungsländer – wie in den Vorjahren – die Schweiz und Österreich.

Die Mitgliederzahl umfasst alle zur Berufsausübung berechtigten Ärztinnen und Ärzte in Bayern, die in einem der 63 Ärztlichen Kreisverbände (ÄKV) Pflichtmitglieder sind, d. h. dort ärztlich tätig sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben. Die ÄKV sind Teil der dreigliedrigen gesetzlichen Berufsvertretung im Freistaat. Die BLÄK, die acht ärztlichen Bezirksverbände (ÄBV), denen die Berufsaufsicht obliegt, und die 63 ÄKV sind jeweils eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Pressestelle